Klinikum Wilhelmshaven

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Wilhelmshaven, 17.05.2019 - Wenn die Schilddrüse krank ist

Wilhelmshaven, 17.05.2019 – Wenn die Schilddrüse krank ist, kann sich das auf vielfältige Weise äußern: Das Körpergewicht und die Verdauung können beeinflusst werden, aber auch Emotionen, Immunsystem und die Libido können betroffen sein. Patienten mit einer Erkrankung der Schilddrüse werden heute viel individueller und ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt. „Es gibt nicht mehr nur das Schema F, das wir bei allen Patienten mit einer bestimmten Erkrankung anwenden. Wir fokussieren auf die individuellen Beschwerden des Patienten und schauen nicht nur auf den Befund. Da ist man heute sehr viel weiter als noch vor 15 Jahren", so Priv.-Doz. Dr. med. Alexandra König, Chefärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Klinikum Wilhelmshaven. Im Rahmen eines Symposiums, zu dem die Chefärztin eingeladen hatte, stellten 12 Experten aus Deutschland die neuesten Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen vor. So erläuterte Frau Dr. med. Susanne Fleischer, von der Deutschen Stimmklinik, welche Möglichkeiten der Behandlung es für Betroffene gibt, die postoperativ an einer heiseren Stimme leiden. Mit frühzeitigen, kleinen Eingriffen sei es mittlerweile möglich, die normale Stimme wiederzuerlangen. Sibilla Dobschinksi, die für die Selbsthilfe-gruppe Schilddrüsenkrebs sprach, erläuterte die Behandlung aus Patientensicht. Mit den neuesten Erkenntnissen und technischen Neuerungen in Bezug auf die Sonographie der Schilddrüse befasste sich Ulrich Düntsch, langjähriger Oberarzt des St. Willehad-Hospitals und dann des Klinikum Wilhelmshaven. Der Mediziner, der kürzlich in den Ruhestand ging, ist ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des Ultraschalls der Schilddrüse. Durch seine jahrelange Erfahrung und sehr patientenorientierte Arbeitsweise konnte er in seinem Vor-trag Chancen und Grenzen des Ultraschalls sehr gut einschätzen und darlegen. Dr. med. Norbert Czech beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Notwendigkeit der Schilddrüsenszintigraphie. Auf die Bedeutung und Deutung des TSH-Wertes, also eines Hormonwertes, der im Zusammenhang mit Schilddrüseerkrankungen ermittelt wird, wies Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Schleiffer hin. Der Wert kann beispielsweise im Tagesverlauf bei einem Men-schen stark variieren. Auch gelten ganz unterschiedliche Grenz- und Richtwerte bei Men-schen unterschiedlichen Alters oder bei schwangeren Frauen. Von der richtigen Deutung hängt also auch die richtige Behandlung ab. Dr. med. Hans-Jürgen Kahl wiederum erläuter-te die operative Therapie der Schilddrüsenerkrankungen. Dr. med. Zaher Jandali stellte im Rahmen seines Vortrags vor, welche Möglichkeiten die plastische Chirurgie hat, die so genannten „Glubschaugen" (endokrine Ophtalmophathie), die in Folge einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten können, zu behandeln. Dr. med. Christian Mozek, Chefarzt der Medizini-schen Klinik IV für Hämatologie, Internistische Onkologie und Palliativmedizin, wiederum fokussierte auf die palliative Situation bei Schilddrüsenkrebs und stellte neue Therapiekonzepte mit Tyrosinkinaseinhibitoren vor, die eine Alternative zu konservativen Möglichkeiten, wie Operation oder Radiojodtherapie, darstellen. Dr. med. Markus Schmitt, Chefarzt der Me-dizinischen Klinik II - Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen, Infektionen erläuterte in seinem Vortrag, welches Calciumpräparat bei postoperativer Insuffizienz der Nebenschilddrüsen eingesetzt werden sollte, da es diesbezüglich unterschiedliche Resorptionsmechanismen gibt, die tageszeitabhängig und von der Begleitmedikation wie Säureblockern beeinflusst werden.

Problematisch bei Schilddrüsenerkrankungen ist, dass sie sehr häufig vorkommen, aber mit ihren unspezifischen Symptomen häufig als Chamäleon erscheinen. Umgekehrt ist es wichtig, dass nicht jede Schilddrüsenpathologie behandelt werden muss. Insgesamt war es ein sehr gelungenes und abwechslungsreiches, höchst informatives Symposium, das bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten großen Zuspruch fand.

 

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