Klinikum Wilhelmshaven

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07.06.2018 - Genetisches Erbe bestimmt Anfang, Mitte und Verlauf des Lebens

 

Wilhelmshaven, 07.06.2018 – Bereits zum 3. Mal fand am letzten Maiwochenende das Wattenmeersymposium der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Wilhelmshaven im  „Le Patron" statt. Zahlreiche Experten des Fachgebietes Pränatalmedizin, Geburtshilfe und Neonatologie boten am ersten Tag des Symposiums unter der Leitung und Moderation von Prof. Dr. Susanne Grüßner, Chefärztin der Frauenklinik und Geburtshilfe, den ca. 100 Teilnehmern ein Update der neuesten Entwicklungen aus dem Fachgebiet der Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin.

Geringer Aufwand - große Wirkung: Hörscreening, Neugeborenenscreening, Stoffwechselerkrankungen - das frühe Screening rettet Leben, so die Expertin Prof. Evelyn Kattner, ehemalige Präsidentin der Deutschen Perinatalgesellschaft, z.B. bei der Erkrankung der Mukoviszidose (angeborene Stoffwechselerkrankung). Nachweisbar ist, dass durch die Zunahme der Kaiserschnitte auch die möglichen Folgen für Mutter und Kind, beispielsweise die kindliche Adipositas, die diabetische Stoffwechsellage, das Asthma bronchiale bis hin zur Veränderung der Darmflora zunehmen.

Bei ansteigenden Geburtenzahlen liegt Deutschland, wie auch Niedersachsen, im Mittelfeld der Geburten durch Kaiserschnitt, nämlich bei ca. 30 % (2017), so Prof. Grüßner, die über die neue „S 3 Leitlinie zur Sectioindikation" in Deutschland berichtete.

Lebererkrankungen können in der Schwangerschaft auch symptomatisch therapiert werden, z.B. durch eine kleine Stenteinlage in die Gallenwege, um so die Transportstörung der Galle rasch zu beheben, so Dr. Marcus Schmitt, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums Wilhelmshaven. Er stellte besondere Fälle aus der täglichen, interdiziplinären Arbeit der Teams vor. Auch eine Schwangerschaft nach erfolgter Lebertransplantation ist bei engmaschiger Kontrolle bis zur Reife des Kindes möglich.

Die späte Frühgeburt – wie spät ist noch zu früh - um Lungenreife, Anpassung, Unterzuckerung und neurologische Entwicklung des Kindes innerhalb der ersten 2 Lebensjahre nicht zu gefährden, thematisierte Dr. Antje Allendorf, Oberärztin der Neugeborenenmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt am Main.

Der Body Mass Index > 40 scheint auf dem Vormarsch auch bei Schwangeren zu sein. Dies führt zu einer Kaskade von Schwangerschafts-, Geburts - und nachgeburtlichen Problemen, so Dr. Hans-Peter Hagenah, Leiter der Geburtshilfe, Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH.

Der plötzlich auftretende Krampfanfall in der Schwangerschaft stellt ein hohes Risiko für Mutter und Kind dar belegen die Daten der Perinatalerhebung von insgesamt acht Jahren, die von Frau Silvia Berlage aus dem Zentralen Qualitätsmanagement der Landesärztekammer Niedersachsen präsentiert wurden. Die akute oder die drohende Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) lässt sich mittels zwei Markern schnell aus dem mütterlichen Serum in der 2. Schwangerschaftshälfte zuverlässig bestimmen. Dr. Franka Lenz aus Berlin führte aus, dass die gefährdete Schwangere damit schneller im Krankenhaus behandelt werden kann. Gleichzeitig zeigte sie die Tücken der professionellen Beurteilung des Gesichtsprofiles des Föten auf und stellte die neuesten Ultraschalltechniken vor.

Harninkontinenz und Schmerzen nach der Geburt sind immer noch ein Tabuthema für Frauen, obwohl es gute Therapiemöglichkeiten außerhalb der „Tena-Binden" zur Behebung der Problematik gibt, beendete die Hebamme und Anthropologin, Peggy Seehafer, den ersten Symposiumstag rund um die Geburt.

Der 2. Tag des Wattenmeersymposiums mit ca. 60 Teilnehmern war geprägt von den neuesten Therapieverfahren bei Gebärmutter-und Eierstockkrebs. Hierüber referierten der Ltd. Oberarzt und Sektionsleiter der operativen Gynäkologie des Klinikums Wilhelmshaven, Mohammed El-Sendiony und Prof. Dr. Jörg Engel (Chefarzt des Nordwestkrankenhauses, Frankfurt am Main), die mit den Teilnehmern interaktiv die operativen und systhemischen Verfahren lebhaft diskutierten.

Aktuelle Fallvorstellungen der operativen Therapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs zeigen die Vielfalt der mittlerweile im Klinikum Wilhelmshaven durch die Chirurgen und Frauenärzte durchgeführten operativen Techniken, die dem universitären Status gerecht werden, so die Chefärztin der Chirurgie, Priv.- Doz. Dr. Alexandra König.

Das Frühstadium des Mammakarzinoms, heutige Therapiemöglichkeiten der brusterhaltenden Verfahren sowie die ältere Patientin ( > 75 Jahre), die aufgrund kardialer Nebenerkrankungen von der Chemotherapie profitiert, stellten Prof. Jörg Engel, Frankfurt und Prof Dr. Hans-Joachim Lück, Hannover, eindrücklich vor.

Bei lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom sind operative Grenzen gegeben, führte Herr Bert Holmer, Ltd. Oberarzt und Senior Mammaoperateur der Frauenklinik Wilhelmshaven aus.

Profitieren können Patientinnen durch die neuen Cdk 4 und 6 Inhibitoren (Wirkstoffe), die an einer Schlüsselstelle des außer Kontrolle geratenen Zellzyklus angreifen und so den „Zellteilungsturbo" bremsen, der bei bestimmten Brustkrebsarten einsetzt. Die Cdks sind für den Zellzyklus wichtige Enzyme, sowohl in gesunden Zellen als auch in Tumorzellen. Sie wirken im Zusammenspiel mit Zyklinen. Das sind kurzlebige Eiweiße, die jeweils nur in bestimmten Phasen des Zellzyklus vorhanden sind. Bindet das passende Zyklin an eine Cdk, kann die Zelle von einer Phase des Zellzyklus in die nächste übertreten. Cdk4 und Cdk6 sind zusammen mit Zyklin D dafür wichtig, dass eine Zelle in die sogenannte S-Phase eintreten kann, in der das Erbgut verdoppelt wird - eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Zelle später teilen kann. Cdk4/6-Hemmer können deshalb die Zellteilung anhalten.

Auch im Klinikum Wilhelmshaven können Patientinnen durch eine Studienteilnahme innerhalb des Zentrums für Tumorbiologie und Integrative Medizin von den neuesten Therapien profitieren.

Die offene Podiumsdiskussion im Anschluss machte deutlich, dass die Tradition des Wattenmeersymposiums der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe fortgesetzt werden soll. Das 4. Wattenmeersymposium findet am 17. und 18. Mai 2019 statt.

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