Klinikum Wilhelmshaven
Das Klinikum an der Nordsee

Pressemitteilungen

Nur vergesslich oder doch dement?

Wilhelmshaven 20.09.2021 – Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rasant steigen. Bis 2030 dürften rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als heute. Betroffen waren 2019 nach Schätzungen weltweit etwa 55 Millionen Menschen, wie die WHO am 1. September 2021 in Genf be-richtete. In Deutschland leben etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Dementsprechend gibt es auch in dieser Region an der Nordsee einen entsprechenden Versorgungsbedarf.
Einer der Hauptgründe für die weltweit steigenden Zahlen an Erkrankten ist die Tatsache, dass Menschen Dank besserer Lebensbedingungen deutlich älter werden als frühere Generationen. Mit dem Alter nimmt aber das Risiko zu, an Demenz zu erkranken.
„Nicht jede Vergesslichkeit muss aber bedeuten, dass zwingend eine Alzheimer-Demenz vorliegt. Vergesslichkeit kann tatsächlich viele Ursachen haben. So können zum Beispiel eine Depression, Flüssigkeitsmangel oder eine Hormonstörung Symptome hervorrufen, die einer Demenz ähnlich sind", erläutert Prof. Dr. Here Folkerts, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Wilhelmshaven. Im Gegensatz zu einer tatsächlichen Demenz sind diese Störungen aber in der Regel behandelbar, so dass die Vergesslichkeit wieder abnimmt.
Es ist wichtig, die Ursachen für die Vergesslichkeit unbedingt von einem Arzt oder einer Ärztin abklären zu lassen. Das sollte so bald wie möglich geschehen, denn es wäre bedauerlich, die Chance auf Linderung oder Heilung erst spät oder gar nicht zu nutzen, so Prof. Folkerts. Und sollte sich herausstellen, dass die Vergesslichkeit tatsächlich durch eine Demenz verursacht wird, haben der Betroffene und die Angehörigen die Möglichkeit, sich auf die Erkrankung einzustellen und Ihren Alltag und die Zukunft zu planen.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Altersvergesslichkeit und Demenz besteht darin, dass bei Demenz nicht nur das Erinnerungsvermögen nachlässt, sondern die Betroffenen nach einiger Zeit auch ganz alltägliche Tätigkeiten nicht mehr ausführen können. Demenzpatienten vergessen ganze Begebenheiten und gewohnte Abläufe (zum Beispiel Kaffee kochen, Wäsche waschen, Schnürsenkel binden). Sie können sich schlechter als früher konzentrieren, können ihren Tagesablauf nicht mehr in gewohnter Weise planen und organisieren und finden sich häufig auch in gewohnter Umgebung nicht mehr zurecht. Im Verlauf der Erkrankung erkennen sie selbst nahestehende Familienmitglieder nicht mehr.
Erster Ansprechpartner bei einem Verdacht auf eine Demenz sollte der Hausarzt oder die Hausärztin sein. Er oder sie kennt den Patienten meist schon länger und kann von daher manches aus der Krankheits- und Lebensgeschichte ableiten, auch können – möglichst im gemeinsamen Gespräch mit den Angehörigen – die Geschehnisse und Beobachtungen der letzten Zeit erörtert werden. Längst nicht alle Hausärzte haben jedoch Erfahrung mit einer zuverlässigen Demenzdiagnose. Eine differenzierte und endgültige Diagnose sollte daher beim Facharzt erfolgen, der darauf spezialisiert ist. Das ist in aller Regel ein Neurologe bzw. Psychiater. In unklaren und schwierigen Fällen gibt es auch die Möglichkeit, eine Gedächtnissprechstunde oder Memory-Klinik aufzusuchen.
In einer Gedächtnissprechstunde wie im Klinikum Wilhelmshaven geht es um Frühdiagnostik, Therapie und Beratung von Demenz-Patienten und Angehörigen. Zum Team gehören Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen. Die Diagnostik beinhaltet unter anderem Laboruntersuchungen, spezifische neuropsychologische Tests, die Bildgebung (CCT, cMRT) und ggfs. die Nervenwasseruntersuchung.
Heilen lassen sich die häufigsten Demenzformen wie Alzheimer, Vaskuläre Demenz und Frontotemporale Demenz bislang nicht. Es lassen sich aber der Verlauf der Erkrankung beeinflussen und Begleiterscheinungen wie Depression, Schlafstörungen oder Halluzinationen mildern. Dabei spielen sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine Rolle.
Es gibt mehrere Medikamente, die spezifisch zur Behandlung von Demenzen zugelassen sind. Diese Substanzen werden in erster Linie zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfä-higkeit und der Alltagsbewältigung sowie zur Milderung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen eingesetzt. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, der richtige Umgang mit den Menschen mit Demenz, die be-darfsgerechte Gestaltung des Wohnumfelds und die Beratung der Angehörigen.
Wichtig bleibt, rechtzeitig vorliegende Gedächtnisstörungen ärztlich abklären zu lassen. Der Kontakt zu einem spezialisierten Arzt ist somit unverzichtbar, da nicht jeder Demenzverdacht sich auch tatsächlich bestätigen lässt. Oft zeigt sich, dass andere (gut behandelbare) Erkrankungen vorliegen, die das Bild einer Demenz vortäuschen. Auch wenn sich die Diagnose der Demenz bestätigen sollte, gibt es effektive Möglichkeiten, die Symptomatik therapeutisch anzugehen.
Info zur Gedächtnissprechstunde: Tel. 04421-89- 2001 (Sekretariat Prof. Dr. Here Folkerts)


BU: Eine Patientin wird im Rahmen der Memory-Sprechstunde unter Anleitung von Mitarbeiterin Alexandra Mennen auf ihr Alltagswissen getestet.

Zurück zur Übersicht
Klinikum Wilhelmshaven Haupteingang