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Wir schaffen das – Familie als aktiver Bestandteil der Therapie

Wilhelmshaven 12.08.2021 – 25 Jahre stationäre Behandlung in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Klinikums

Für 8 bis 10 Wochen kein Handy benutzen zu dürfen, Fernsehen nur zu eng begrenzten Zeiten – für viele Kinder und Jugendliche, aber ebenso für Erwachsene, nahezu unvorstellbar. Die jungen Patientinnen und Patienten der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) geben zu Beginn ihrer stationären Behandlung ihre Handys ab, freiwillig. Denn eine Grundvoraussetzung für die Therapie ist die Freiwilligkeit der Patient:innen und der eigene Wunsch aktiv, zusammen mit den Ärzt:innen und Therapeut:innen etwas an der akuten, problematischen Situation verändern zu wollen.
„Unser oberstes Ziel ist es, unseren jungen Patient:innen und ihren Familien neue Wege der Zusammenarbeit in psychischen Krisen aufzuzeigen und ihnen zu vermitteln – Ich schaffe das!", fasst Chefarzt Christian Küper das Therapieziel zusammen. Die KJPP ist eine familienergänzende, therapeutische Einrichtung, in der alle Krankheitsbilder aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie behandelt werden.
Die stationäre Behandlung wurde im August 1996 am früheren Reinhard-Nieter-Krankenhaus etabliert. Damals noch auf der oberen Etage der Kinderklinik mit 8 Plätzen. Doch von Beginn war klar, dass der Bedarf für eine stationäre Versorgung in der Region größer ist und so begann im Jahre 2001 der Erweiterungsbau und der Umbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die neue Station an der Friedrich-Paffrath-Straße wurde mit 13 Plätzen ein Jahr später eröffnet. Unmittelbar daneben befand sich seit 1994 die Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz. Damit war eine enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung der Kinder und Jugendlichen in direkter Nachbarschaft möglich. Seit 2015 bietet ergänzend die Tagesklinik eine ganztägige teilstationäre psychotherapeutische Behandlung an.
Der Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Familientherapie, d.h. die Familien der jungen Patient:innen sind aktiver Bestandteil der Therapie. „Die Verweildauer in unserer Klinik mit 8 bis 12 Wochen ist hoch. Aber die erfolgreiche Behandlung der Kinder und Jugendlichen braucht ein gewisses Maß an Zeit und Verlässlichkeit sowie an Vertrauen. Durch die längerfristige Therapie ist es uns gelungen, dass nur in wenigen Ausnahmen ein weiterer stationärer Aufenthalt notwendig wird", unterstreicht Christian Küper. Junge Menschen ab dem 10. Lebensjahr werden in der Klinik stationär aufgenommen. Das Behandlungsspektrum umfasst die komplette Bandbreite von Verhaltensauffälligkeiten, Anpassungsstörungen, Psychosen, Depression, Anorexie, Bulimie, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei sind junge Mädchen bei den stationären Patienten in der deutlichen Überzahl.
Jede/jeder Jugendliche ist anders; jede familiäre Situation ist anders. Das multiprofessionelle Team von Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger:innen, Fachärzt:innen für KJPP, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen, Psycholog:innen, Erzieher:innen, Ergo- und Kunsttherapeut:innen erarbeitet mit den Kindern und Jugendlichen unter enger Einbeziehung der Eltern ganz individuelle Therapieansätze und –konzepte. Eltern nehmen beispielsweise an Familiengesprächen und Elternabenden teil oder werden zu bestimmten Projekten eingeladen. An den Wochenenden gehen die Mädchen und Jungen zu sogenannten Belastungserprobungen nach Hause, um Aufgaben aus Therapiegesprächen im häuslichen Umfeld umzusetzen und auszuprobieren. Manche Patient:innen trauen sich nicht einkaufen oder raus zu gehen. Diese Probleme versuchen sie gemeinsam mit den Eltern zu lösen.
Wichtig sind dem Klinikteam auch die enge Zusammenarbeit und der direkte Austausch mit den Jugendämtern und Trägern der Jugendhilfeeinrichtungen. Auf diese Weise können viele Fragen vorab schon ambulant geklärt werden. Auch wenn die Klinik dafür ausgelegt ist, sind Krisen- und Notaufnahmen sehr selten, da das regionale Betreuungsnetz sehr engmaschig ist.
Die Vernetzung der Angebote und Einrichtungen, aber in erster Linie das erfahrene und hochqualifizierte Team der Klinik stehen für die sehr erfolgreiche Arbeit in den 25 Jahren. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von Anfang an oder schon seit vielen Jahren dabei. „Auf unserer Station zeigt sich die große Zufriedenheit mit ihrer Arbeit an der geringen Fluktuation. Alle sind eng in die Betreuung und Therapie der jungen Menschen einbezogen. Jeden Mittag findet eine Teamsitzung aller Professionen statt, in dem ein tägliches Update gegeben wird. Die Behandlungserfolge, die wir in den 25 Jahren durch dieses enge Miteinander erreichen konnten, wirken sich auf das gute Arbeitsklima aus", ist sich Anke Kappe, Stationsleitung, sicher.
Für die Zukunft möchte Chefarzt Christian Küper die Musik- und Sporttherapie in das Be-handlungsspektrum aufnehmen und auch für Kinder unter 5 Jahre Therapieangebote etablieren. Die Erweiterung des Angebots ist angedacht und könnte zur weiteren Attraktivitätssteigerung beitragen.

BU: Das Team der KJPP um Chefarzt Christian Küper (hintere Reihe, 3.v.l.) behandelt alle Krankheitsbilder aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

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