Klinikum Wilhelmshaven
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Zum Umgang mit COVID bei Krebserkrankungen und hämatologischen Erkrankungen

Wilhelmshaven 24.02.2021 – Krebspatienten werden seit Aufkommen der Pandemie mit verschiedenen Fragen, Herausforderungen und damit einhergehend auch Sorgen konfrontiert. Auf zwei Aspekte möchte ich im Folgenden eingehen: Da ist zunächst die Frage, die schon seit Beginn der Pandemie im Raum steht, aber angesichts nur langsam anlaufender Impfungen immer noch aktuell ist: Wie sollte ich mich als Krebspatient in Bezug auf die Behandlung meiner Erkrankung verhalten? Nun kommt als zweite Frage hinzu, ob es ratsam ist, sich als Krebspatient impfen zu lassen und für welche Krebspatienten eine Impfung mit Risiken einhergeht.

Es ist bekannt, dass Patienten, die einen Tumor oder eine bösartige Bluterkrankung haben sowie Patienten, die aktuell unter systemischer Chemotherapie stehen oder deren Erkrankung nicht unter Kontrolle ist, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID19-Infektion haben. Daraus resultiert auch eine erhöhte Sterblichkeit.
Aber: Nicht alle Krebspatienten gehören automatisch zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf.
Mediziner raten, besonders auf die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zu achten und insbesondere auch die freiwillige Quarantäne und die entsprechenden Hygienemaßnahmen zu befolgen.

Andererseits darf aber die Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus die Bekämpfung einer bereits existierenden lebensgefährlichen Erkrankung wie Krebs nicht beeinträchtigen. 

In einigen Fällen kann eine Therapie gegen Krebs sogar helfen vor einer Infektion zu schützen, weil man die Krebserkrankung damit besser unter Kontrolle hält und damit den Gesundheitszustand stabilisiert.

Differenzierte Analysen innerhalb einer Gruppe von Krebspatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-Erkrankung gezeigt. Zu den Risikofaktoren gehören bei Krebserkrankten z. B. ein höheres Alter, männliches Geschlecht, Rauchen, die Anzahl der Begleiterkrankungen, die aktive Krebserkrankung und die aktuelle Therapie.

Man muss daher insbesondere bei Krebspatienten das Ansteckungsrisiko mit COVID19 und das bei ihnen höhere Risiko, infolge dessen eine lebensbedrohliche Lungenentzündung zu bekommen, mit dem Risiko eines schweren Erkrankungsverlaufes ohne Therapie abwägen.
Die Entscheidung, ob man eine Therapie durchführen oder fortsetzen soll, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Hier spielt zum Beispiel eine Rolle, ob die Krebserkrankung aktiv und akut lebensbedrohlich ist oder zum Beispiel, ob es sich um eine chronische Krebserkrankung handelt, die gut beherrscht werden kann.
Weitere Faktoren sind, ob die Chemotherapie eine starke Immunsuppression auslöst oder nicht besonders immunsuppressiv wirkt – also wie stark die körpereigenen Abwehrmechanismen unter der Chemotherapie wirken können. Natürlich spielt es auch eine Rolle, ob das Rückfallrisiko der Krebserkrankung hoch oder niedrig ist.

Es ist also besonders wichtig, dass Patienten individuell betreut werden und sie nach Absprache mit einem Onkologen oder einer Onkologin die Entscheidung treffen, ob die Erkrankung durch eine bestimmte Therapie kontrolliert ist. Patienten mit unkontrollierten Krebserkrankungen erleiden eher Infektionen als Patienten, die effektiv behandelt werden können.

Unter der Abwägung von individuellen Faktoren kann es sinnvoll sein, mache Therapien auszusetzen und zu verschieben.
Dieses muss jedoch individuell mit der Patientin oder dem Patienten besprochen werden. Aber – und das möchte ich ausdrücklich betonen - in den meisten Fällen ist die effektive Behandlung der Krebserkrankung für das Überleben der Patienten wichtiger, als übertriebene Vorsichtsmaßnahmen im Sinne von unnötigen Unterbrechungen oder Verschiebungen der Therapie.

Seit Beginn des Jahres steht das Thema Impfen im Vordergrund der medialen Berichterstattung. Auch hier sind einige Krebspatienten unsicher, ob sie sich impfen lassen sollten. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie empfiehlt die Schutzimpfung gegen Covid-19 für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf und einem erhöhten Risiko, an der Infektion zu sterben. Dies trifft auf Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen und fortgeschrittenen soliden Tumoren zu. Auch die Frage, ob eine Impfung durchgeführt werden sollte, kann mit dem betreuenden Onkologen oder der betreuenden Onkologin besprochen werden.

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