Zehn Jahre Geriatrie am Klinikum Wilhelmshaven:
Wenn medizinische Kompetenz und Menschlichkeit Hand in Hand gehen
Wilhelmshaven, 31.07.2026 – Zehn Jahre ist es her, dass am Klinikum Wilhelmshaven ein Fachbereich ins Leben gerufen wurde, der heute aus der medizinischen Versorgung älterer Menschen in der Region nicht mehr wegzudenken ist – die Klinik für Geriatrie (Altersmedizin). Ihr Auftrag reicht weit über die reine Behandlung von Akuterkrankungen hinaus – im Mittelpunkt steht immer der Mensch in seiner Gesamtheit.
Ältere Patienten kommen häufig mit mehreren gesundheitlichen Einschränkungen gleichzeitig in die Klinik. Nach einem Sturz, bei einem akuten Infekt oder nach einer schweren Operation geht es deshalb nicht allein um die medizinische Stabilisierung. „Entscheidend ist vielmehr, verloren gegangene Fähigkeiten wieder aufzubauen, Sicherheit zurückzugeben und Perspektiven für den Alltag zu schaffen", erklärt Dr. med. Alexander Horn, der die Abteilung seit dem 1. Juni 2024 als Chefarzt leitet. Genau darin liegt die besondere Stärke der geriatrischen Medizin: Diagnostik, aktivierende Pflege und therapeutische Maßnahmen greifen ab dem ersten Tag eng ineinander. Mobilität, Gedächtnisleistung, Ernährung und Alltagskompetenz werden gleichermaßen berücksichtigt. Jede einzelne Fähigkeit entscheidet darüber, wie selbstständig ein Mensch nach dem Krankenhausaufenthalt in sein gewohntes Umfeld zurückkehren kann.
Ein solches Konzept gelingt nur im Kollektiv. Das interdisziplinäre Team aus Ärzten, Pflegefachkräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und dem Sozialdienst schließt sich regelmäßig eng kurz. „Geriatrie ist eine absolute Teamleistung. Was gibt es Schöneres, als einen Menschen Schritt für Schritt zurück in die Selbstständigkeit zu begleiten?", betont Horn stellvertretend für seine gesamte Belegschaft. Gerade im höheren Lebensalter seien es oft die kleinen Fortschritte, die den Stationsalltag prägen: Der erste sichere Schritt nach längerer Bettlägerigkeit, das selbstständige Halten einer Tasse oder der Moment, in dem Patienten erkennen, dass eine Rückkehr nach Hause wieder greifbar wird.
Wie tief diese Verbindung zwischen den Patienten und dem Team geht, zeigt eine besondere Erinnerung aus Horns bisheriger zweijähriger Dienstzeit in Wilhelmshaven. Eine ältere Patientin hatte während ihres Aufenthalts den Wunsch geäußert, die bis dahin kahle Wand ihres Krankenzimmers zu verschönern. Kurzerhand schenkte sie der Station ein maritimes Gemälde. „Dieses Bild ist für uns viel mehr als nur Dekoration an einer Wand", berichtet Dr. Horn. „Es ist unvergessen, wie die Patientin damals bei uns war und dieses Bild der Abteilung widmete. Für uns ist es ein sichtbares Symbol für die menschliche Wärme, das Vertrauen und das sensible Gespür, das unsere Arbeit tagtäglich erfordert. Geriatrie bedeutet eben auch Feingefühl." Viele ältere Menschen brächten nicht nur Diagnosen mit, sondern auch Ängste und Erschöpfung. Häufig entscheide deshalb auch die Art der menschlichen Begleitung über den langfristigen Therapieerfolg.
Mit dem zehnjährigen Bestehen blickt die Geriatrie am Klinikum Wilhelmshaven auf eine Entwicklung zurück, die von medizinischer Qualität, gelebter Teamarbeit und großer Nähe zu den Menschen an der Küste geprägt ist. Was vor einem Jahrzehnt als junge Fachabteilung begann, beweist heute jeden Tag aufs Neue, wie wertvoll Medizin sein kann, wenn Fachwissen und Menschlichkeit eine Einheit bilden. Um diese erfolgreiche Arbeit und die modernen Therapiemöglichkeiten in Zukunft noch nahbarer zu machen, plant das Team um Dr. Horn am 10. September von 10:00 bis 14:00 Uhr, die Türen der Abteilung zu einem Tag der offenen Tür zu öffnen, um Einblicke in den Stationsalltag zu geben.